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Freitag, 26.10.2007

Einblicke in eine Diskussionskultur

Wolfgang Lünenbürger
Im Beratungsprozess mit Kunden über Blogs und andere "Mitmachplattformen" kommt es immer eher früher als später zu der Frage, wie die Balance zwischen Hausrecht und lebendiger Diskussion zu finden sei. Oder konkret: Welche Kommentare ich dulden oder gar ertragen muss/ sollte/ kann - und welche nicht.

So war es auch in der Vorbereitung auf das Daimlerblog*. Dort haben wir eine intensive Diskussion geführt, die in die so genannten Kommentarrichtlinien gemündet ist. Und ich freue mich, dass sie funktionieren, wie sich bereits jetzt nach einer Woche zeigt.

Die grundsätzliche Schwierigkeit, die ich sehe, ist, dass es zwar in sehr, sehr vielen Blogs (und ganz besonders intensiv in puristischen und kritischen) üblich ist, radikal alle Kommentare zu löschen, die dem Blogautor nicht gefallen - dass dieses aber bei "kommerziellen" Blogs von vielen Bloggern kritisch gesehen wird.

Leicht kann sich bei unüberlegtem Vorgehen der Verdacht bei den Leserinnen und Lesern festsetzen, ein Unternehmen wolle negative und unliebsame Kommentare unterbinden. Der Zensur-Vorwurf steht dann gleich im Raum.

Und darum - im Sinne von best practise - zum Daimlerblog: Daimler ist ja sehr eindeutig, was die Regeln der Diskussion angeht - unter anderem heißt es, es werden Kommentare gelöscht, "die sich nicht auf den kommentierten Beitrag beziehen".

Diese Regeln sind Teil des Hausrechts, von dem jeder Blogger und jede Bloggerin Gebrauch macht. Und dieses Hausrecht hat der Moderator des Daimlerblogs dann auch durchgesetzt und vor eineinhalb Tagen erstmals einen Kommentar gelöscht. Wohlgemerkt: Nicht etwa, weil es negative Kommentare gab, sondern weil sich zwei Kommentatoren in eine Privatdiskussion jenseits des Themas zu verheddern drohten. Zwar kommt das in Blogs oft vor, aber in diesem Blog sollte genau das nicht geduldet werden.

Bemerkenswert finde ich, dass das Eingreifen des Moderators nicht nur beim "Gelöschten", sondern auch bei anderen Leserinnen und Lesern auf Zustimmung stößt. Mir scheint, dass Daimler hier die Tür aufgestoßen hat zu einer neuen Möglichkeit, unaufgeregt und akzeptiert mit dem eigenen Hausrecht umzugehen. Das freut mich.

[ siehe: Daimler Blog: Einblicke in einen Konzern » Eine eingedeutschte "Rabenmutter" ]

* Full disclosure: Wir beraten Daimler bei Konzeption und Umsetzung des Blogs und bei der begleitenden Kommunikation.

Kommentare

Wichtig erscheint mir dabei, dass das Hausrecht nicht stillschweigend durchgesetzt wird (also ein Kommentar nicht einfach gelöscht wird), sondern dass dies transparent gemacht wird. So, wie es im erwähnten Fall auch geschehen ist.

Ebenfalls unter disclosure: Wir beobachten für Daimler die Reaktionen auf das Blog

Danke für Ihren Beitrag! In unserem Blog schreiben mehrere Autoren zu unterschiedlichen Business-Themen, die natürlich auch mal heftig kommentiert werden. Ich habe lange gezögert, bei uns eine Blog Netiquette einzuführen, aber gerade Ihr Daimler Beispiel hat mich überzeugt und ich habe davon sogar einiges übernommen. Danke für den Anstoß!

Sueddeutsche vom 02.11.2007: Hier bloggt der Chef: [...]"Hinzu kommt, dass die Unternehmen in ihren Blogs quasi über das Hausrecht verfügen. Unangenehme Kommentare müssen also gar nicht erst veröffentlicht werden - denn ein öffentlich-rechtlicher Raum, in dem Meinungsfreiheit eingeklagt werden könnte, ist der Blog schon gar nicht." [...]
Beim Daimler-Blog sind die Kommentare automatisch veröffentlicht und werden nicht vorher moderiert.

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