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Dienstag, 07.11.2006

Von Helden, Zugpferden und anderen Promis

Martin Flörkemeier
Zugegeben, privat und dienstlich kann ich auch mal nett sein, verfalle aber (leider) immer wieder in eine Geisteshaltung, irgendwo zwischen Sarkasmus und Zynismus. Die Reaktionen derer, die mich dann erleben, schwanken zwischen gequältem Lächeln und abgrundtiefem Verletztsein. Und so nehme ich mir jedem Tag beim Aufstehen vor, diese dunkle Seite zu bekämpfen und Menschen und Momente an mich ranzulassen.

Ganz in diesem Sinne traf mich dabei die Geschichte von Michael J. Fox, auf die ich vergangene Woche durch Thomas Knüwer aufmerksam wurde und die weltweit zu angeregten Diskussionen geführt hat: Da ist in Form eines kurzen TV-Spots im Rahmen einer Wahlkampf-Kampagne das Thema Stammzellforschung von einem sehr prominenten Fürsprecher aufgebracht worden.

Michael J. Fox, nicht nur für Knüwer ein ?Held aus der Vergangenheit?, äußert sich in dem 1-Minüter, sichtlich und im wahrsten Sinne des Wortes von seiner Parkinson-Erkrankung erschüttert, und unterstützt damit eine Politik, die sich für Stammzellforschung einzusetzen verspricht. Für diejenigen, die Michaels Aktivitäten schon länger verfolgen, sicherlich nicht überraschend. Denn der Vorwurf, nach jahrelanger Abstinenz von der Öffentlichkeit wieder für eine Polit-Kampagne ausgekramt worden zu sein (so könnte man Christiane Link auf dem Behindertenparkplatz interpretieren), trifft m.E. nicht zu. Mit seiner Stiftung arbeitet er bereits seit 2000, zwei Jahre, nachdem er seine Parkinson-Diagnose öffentlich machte, an seiner selbst formulierten Vision

the aggressive pursuit of all ethical avenues of research promising improved therapies and ultimately a cure for people living with Parkinson's disease.

Warum mich das auch heute noch beschäftigt, wo die Blogosphere doch schon wieder so viele neue Themen diskutiert? Drei Punkte:

  • Weil dieses Beispiel mir zeigt, wie wichtig es für uns Gesundheits-Kommunikatoren ist, nicht nur über Krankheit, Forschung und Therapie(versuche) zu reden, sondern immer wieder auch die Menschen mit an Bord zu holen, die diese Diskussion am direktesten betrifft: Die Patienten und ihre Angehörigen.
    Und weil es wichtig ist, dabei diese nicht zu instrumentalisieren. Damit möchte ich meinem Kollegen Wolfgang und auch noch einmal Christiane Link widersprechen: Ich bin fest davon überzeugt, dass Michael hier nicht die Mitleidskarte spielt, die Ihr ihm zuschiebt, sondern - sehr amerikanisch und getreu der selbst formulierten Vision - sehr "aggresiv" an das Thema herangeht. Kein "Tödliches Mitleid", das unser Gewissen bereinigt und die Betroffenen kleiner macht. Eher eine Offensive, die dazu dienen soll und es ja auch wohl zumindest momentan geschafft hat, eine öffentliche Diskussion anzuregen, für die sich sonst viel zu wenige Menschen interessieren.
  • Weil ich selber seit Jahren in Deutschland z.B. mit der hiesigen Parkinson Vereinigung, aber auch mit anderen Patientengruppen an verschiedenen Kampagnen gearbeitet habe und weiß, wie wichtig auch prominente Fürsprecher für den Erfolg der Botschaften dieser Kampagnen sind. Nicht als Werbeträger wie Pelé, Rosi Mittermaier oder Harald Schmidt. Sondern als Türöffner, Redner, Ansprechpartner und im wahrsten Sinne des Wortes Schirmherren oder Schirmfrauen von Diskussionen, denen Öffentlichkeit gebührt.
  • Und nicht zuletzt, weil dieser Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass diese Fürsprecher authentisch sind! Michael J. Fox ist betroffen, daher wird ihm niemand seine Vision absprechen. Und er konzentriert sich auf diese eine Vision! Ich hatte in diesem Jahr Kontakt zu ihm und seiner Stiftung und musste dabei erfahren, dass er nicht für weitere Aktivitäten - auch nicht im Zusammenhang mit Parkinson - zur Verfügung steht, sich nicht verzetteln möchte. Er hat sich seiner Sache voll und ganz verschrieben. Und das sollten wir ihm hoch anrechnen - egal, wie wir selbst zum Thema Stammzellforschung stehen.

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