Freitag, 30.05.2008
Was ist eigentlich ein Corporate Blog?
Wolfgang Lünenbürger
OK, es wird nicht beliebig überraschend sein, dass ich die Frage, ob Corporate Blogs funktionieren können, positiv beantworte. Und zugleich wenig Euphorie an den Tag lege, wenn Blogs als Allheilmittel gesehen werden. Schon dieses Blog hier, das im weitesten Sinne ja auch ein Corporate Blog ist (denn wir schreiben hier im Auftrag unseres Unternehmens, wenn auch mit unserem eigenen Namen), zeigt die Ambivalenz: Ich schreibe hier seltener als in meinem privaten Blog und überlege oft dreimal, ob ein Thema hier rein soll - oder beispielsweise lieber in unser internationales Blog oder in mein privates oder gar nirgendwo. Denn einerseits möchte ich hier keine reinen Mitteilungen absondern, andererseits ist das Thema vorgegeben - und zum Dritten haben wir klare Regeln, was beispielsweise das Bloggen über Projekte von Kunden oder deren Konkurrenten angeht.
Rainer Helmes hat nun gestern unter dem Titel Warum Corporate Blogs scheitern die kritischen Stimmen in der Diskussion zusammengefasst - ich teile davon vieles nicht.
Uwe Knaus, der das Daimlerblog organisiert, hat dazu einen längeren und interessanten Kommentar verfasst. Seine Schlussfolgerungen:
Was ist eigentlich ein Corporate Blog? Ist es ein Blog, welches von einem Unternehmen betrieben wird? Wer bloggt bei einem Corporate Blog? Der CEO, der CIO, die Marketingabteilung, bezahlte Blogger, die Mitarbeiter, bei Opel die Test-Ingenieure.
Nehmen wir mal das Daimler-Blog. Da kenne ich mich ein wenig aus: Hier bloggen die Mitarbeiter. Und nur diejenigen, die Lust dazu haben. Sie bloggen genau so, wie Blogs ursprünglich begonnen haben: nämlich als eine Art Tagebuch. Da schreibe ich in der Regel rein, was mich an einem bestimmten Tag beschäftigte, oder was mich bewegte. Möglicherweise unspektakulär und nur für eine kleine Zielgruppe interessant. Ein Tagebuch eben.
Aber es wird gelesen. Am ersten Tag mindestens 1.000 Mal, teilweise 3.000 Mal. Im Long Tail kommen die Tagebucheinträge nach einem halben Jahr alle auf 5.000, manche auch auf über 10.000 Lesezugriffe (die Bots herausgerechnet). Vorher kannte die Geschichte nur der Partner oder auch der immer gern genommene „Sportskamerad“. Insofern stellt der einzelne Post doch ein Erfolg dar, oder? Auch wenn aus Sicht der „klassischen“ Blogger, nichts Aufregendes dabei ist.
Wie bekannt, war ich ja maßgeblich an Konzept und Umsetzung des Daimlerblogs beteiligt und berate das Team auch weiterhin. Insofern freut mich dieser Erfolg sehr - und ja, es ist ein Erfolg, weil genau das, was Uwe Knaus beschreibt, das Ziel war, das also zurzeit erreicht wird.
Micropublishing habe ich diese Form der Kommunikation schon vor vier Jahren genannt - und das stimmt heute mehr denn ja, denke ich. Und Uwe Knaus spricht mir aus der Seele, wenn er seinen Kommentar bei Rainer Helmes beschließt:
Ich glaube, genau da liegt das Potenzial von Corporate Blogs, diese Zielgruppe anzusprechen und mit ihnen zu kommunizieren. Und diese Zielgruppe besteht in der Regel nicht aus Bloggern, sonder aus ganz „normalen“ Menschen, die teilweise bis dato noch gar nicht mit Blogs in Berührung kamen. Genau diese Gruppe stellt beim Daimler-Blog die Mehrzahl der Leser und Kommentatoren dar.
Jedes Blog zieht seine spezifische Leserschaft an. Don Alphonso hat sicherlich andere Leser als Klaus Eck und die Leserschaft des Frosta-Blogs bildet vermutlich auch keine Schnittmenge mit der des Daimler-Blogs. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie betreiben ein Weblog und sprechen ihre Zielgruppe in der Form an, die sie für angemessen halten.
Insofern würde ich die Corporate Blogs nicht für tot erklären und ihnen erst einmal eine Chance geben, sich zu etablieren. Der Erfolg wird vermutlich davon abhängig sein, wie viel „Corporate“ und wie viel „Mensch“ darin enthalten sein wird.
full disclosure: Daimler ist ein Kunde von Edelman und wir haben am Daimlerblog mitgewirkt und beraten weiterhin auf diesem Projekt.
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